
Die erste Inbetriebnahme einer KNX-Anlage entscheidet darüber, ob dein Smart Home später zuverlässig läuft oder ob du dich an unklaren Adressen und halb geladenen Applikationen abarbeitest. In diesem Deep-Dive gehst du mit uns Schritt für Schritt durch die ETS: Produktdatenbank importieren, Applikation laden, Gruppenadressen sauber strukturieren und alles fehlerfrei in die Geräte übertragen. Als roten Faden nutzen wir echte MDT-Geräte, weil sie sich in der Praxis besonders logisch parametrieren lassen.
Empfehlung der Redaktion: Für die meisten Einfamilienhaus-Unterverteilungen ist der MDT Schaltaktor AKS Standard 8-fach die beste erste Wahl – bistabile Relais, 16A je Kanal und eine umfangreiche ETS-Applikation machen ihn ideal für Einsteiger, die eine solide, gut dokumentierte Basis für ihre erste Programmierung suchen.
Bevor du die ETS öffnest, sollten drei Dinge feststehen: die Topologie (Linien und Bereiche), eine Liste aller verbauten Geräte und ein durchdachtes Namensschema für deine Gruppenadressen. Notiere dir zu jedem Aktor, welche Last er schaltet und in welchem Raum sie sitzt. Diese Vorarbeit klingt banal, spart dir aber später Stunden beim Suchen von Kanälen.
Für die physische Anbindung brauchst du eine KNX-Schnittstelle (IP oder USB) und eine korrekt verdrahtete, unter Spannung stehende Buslinie. Erst wenn die Busspannung anliegt, kannst du überhaupt die physikalischen Adressen vergeben und Applikationen übertragen.
Jeder KNX-Hersteller stellt seine Gerätebeschreibungen als Produktdatenbank (Dateiendung .knxprod) bereit. Für MDT lädst du die passende Datei herunter und importierst sie in der ETS über den Katalog. Nach dem Import erscheinen die Geräte in deinem Katalog und lassen sich per Drag-and-drop in dein Projekt ziehen.
Achte beim Import unbedingt auf die richtige Applikationsversion. Die Artikelnummern tragen bei MDT eine Versionsendung – etwa AKS-0816.03 oder AKS-2416.03. Diese Endung muss zur Firmware deines Geräts passen, sonst schlägt das Laden der Applikation fehl. Eine große Auswahl an kompatiblen Produkten findest du in der Kategorie MDT, sodass du Datenbank und Hardware direkt aufeinander abstimmen kannst.
Beim Anlegen deiner Geräte im Projekt hilft es, gleich zwischen Reiheneinbau und Unterputz zu unterscheiden. Der MDT Schaltaktor AKS Standard 8-fach belegt 6TE auf der Hutschiene, der MDT Schaltaktor AKS Standard 16-fach 8TE und der große MDT Schaltaktor AKS 24-fach volle 12TE. Der besonders schmale MDT Schaltaktor AKK Kompakt 8-fach kommt mit nur 4TE aus – halbe Baubreite gegenüber dem AKS 8-fach. Der MDT Schaltaktor AKK Kompakt 1-fach Unterputz wandert dagegen nicht in die Verteilung, sondern direkt in die Schalterdose am Verbrauchsort. Wenn du diese Zuordnung sauber pflegst, spiegelt der ETS-Projektbaum später deine reale Installation wider.
Nach dem Platzieren der Geräte folgt die physikalische Adresse. Du wählst das Gerät, klickst auf „Programmieren“ und drückst am Aktor die Programmiertaste – die Programmier-LED signalisiert die Bereitschaft. Danach überträgst du zum ersten Mal die komplette Applikation.
Die ETS unterscheidet zwischen dem vollständigen und dem partiellen Download. Beim ersten Übertragen ist immer der vollständige Download nötig. Danach genügt bei Änderungen an Gruppenadressen oder Parametern ein partieller Download, der nur die Differenzen schreibt und dadurch deutlich schneller läuft.
Der MDT Glastaster II Smart (BE-GT2TW.02) ist mehr als ein Taster: Er bringt sechs Sensorflächen mit, die sich als 4-, 6-, 8- oder 12-fach-Taster nutzen lassen, dazu einen Temperatursensor und ein Farbdisplay. In der Applikation legst du zunächst fest, ob du die Flächen als Einzeltasten oder als Tastenpaare betreiben willst. Erst danach ordnest du jeder Funktion – Schalten, Dimmen, Jalousiesteuerung oder Wert senden – die passenden Kommunikationsobjekte zu.
Der Glastaster besitzt einen integrierten Busankoppler und wird über die 30 V DC des KNX-Bus versorgt. Für die Bedienung empfiehlt MDT eine Montagehöhe von 1,50 bis 1,60 m. Plane das gleich mit ein, denn eine spätere Korrektur der Höhe ist deutlich aufwändiger als eine gute Parametrierung.
Bei den Schaltaktoren definierst du je Kanal zuerst die Grundfunktion. Die MDT-Applikation der AKS-Reihe bietet Zeit- und Treppenlichtfunktionen, Szenen, Logik- und Zentralfunktionen sowie Betriebsstunden- und Schaltspielzähler. Aktiviere pro Kanal nur, was du wirklich brauchst – jedes zusätzliche Objekt bläht die Adressliste auf.
Ein wichtiger Praxispunkt ist das Verhalten bei Busspannungsausfall. Die bistabilen Relais im MDT Schaltaktor AKS Standard 8-fach, MDT Schaltaktor AKS Standard 16-fach und MDT Schaltaktor AKS 24-fach halten ihren Schaltzustand auch ohne Busspannung. Beim MDT Schaltaktor AKK Kompakt 8-fach arbeiten dagegen monostabile Relais: Der Zustand bleibt nur erhalten, solange Busspannung anliegt. Das ist kein Nachteil, sondern eine bewusste Entscheidung zugunsten kompakterer und günstigerer Bauform – du musst es beim Parametrieren des Ausfallverhaltens nur berücksichtigen.
Wenn du Verbräuche im Blick behalten willst, ist der MDT Schaltaktor AMS 12-fach mit Strommessung das Werkzeug der Wahl. Er misst den tatsächlichen Effektivstrom je Kanal im Bereich von 10 mA bis 16 A und führt einen Wirkarbeitszähler in Wh/kWh. In der Applikation aktivierst du dazu die Messobjekte und legst Schwellwerte fest, mit denen du zum Beispiel schwellwertabhängig schalten oder Master/Slave-Beziehungen abbilden kannst. So bekommst du Energiemonitoring pro Kanal, ohne einen separaten Zähler installieren zu müssen.
Gruppenadressen sind das Herzstück deiner Programmierung. Bewährt hat sich die dreistufige Struktur aus Hauptgruppe, Mittelgruppe und Untergruppe. Eine mögliche Logik: Hauptgruppe nach Funktion (Licht, Jalousie, Heizung), Mittelgruppe nach Etage oder Bereich, Untergruppe nach konkretem Verbraucher.
| Ebene | Beispiel | Inhalt |
|---|---|---|
| Hauptgruppe | 1 Beleuchtung | alle Lichtfunktionen |
| Mittelgruppe | 1/1 Erdgeschoss | Bereich/Etage |
| Untergruppe | 1/1/3 Wohnzimmer Decke | konkreter Kanal |
Beim Verknüpfen ziehst du die Kommunikationsobjekte deiner Geräte auf die passende Gruppenadresse. Ein Schaltobjekt des MDT Glastaster II Smart landet auf derselben Adresse wie das Schaltobjekt des zugehörigen Kanals im MDT Schaltaktor AKS Standard 8-fach – erst diese gemeinsame Adresse verbindet Taster und Aktor logisch miteinander. Achte darauf, dass die Datenpunkttypen (DPT) zusammenpassen, sonst funktioniert die Kommunikation nicht.
Für zentrales Schalten – etwa „Alles aus“ beim Verlassen des Hauses – nutzt du die Zentralfunktionen der AKS-Applikation und eine eigene Zentral-Gruppenadresse. Gerade bei großen Anlagen mit dem MDT Schaltaktor AKS 24-fach in der Unterverteilung lohnt sich eine klar getrennte Hauptgruppe für Zentral- und Szenenbefehle. So bleibt die Adressliste auch bei vielen Kanälen übersichtlich.
Steht die Verknüpfung, überträgst du die Applikation vollständig in jedes Gerät. Bei späteren Anpassungen genügt der partielle Download. Nutze anschließend den Gruppenmonitor der ETS, um live mitzulesen, welche Telegramme über den Bus laufen. Ein Tastendruck am Glastaster muss dort sofort als Telegramm erscheinen und der zugeordnete Kanal reagieren.
Bei der Erstinbetriebnahme hilft dir außerdem die Handbedienung der Aktoren. Alle AKS-, AKK- und der AMS-Aktor besitzen eine Handbedienung mit LED-Statusanzeige je Kanal. Damit prüfst du die Verdrahtung unabhängig vom Bus – ein unschätzbarer Vorteil, wenn du herausfinden willst, ob ein Problem in der Programmierung oder in der Installation liegt. Weitere passende Geräte für deine Verteilung findest du in der Kategorie Schaltaktoren.
Ja. Der erste Download nach dem Vergeben der physikalischen Adresse muss vollständig sein, damit die komplette Applikation geschrieben wird. Erst danach reicht bei Änderungen der schnellere partielle Download.
An der Endung der Artikelnummer, etwa AKS-0816.03. Diese Version muss zur importierten Produktdatenbank und zur Gerätefirmware passen, sonst lässt sich die Applikation nicht laden.
Bei den bistabilen AKS-Aktoren und dem AMS bleibt der Zustand auch bei Busspannungsausfall erhalten. Beim MDT Schaltaktor AKK Kompakt 8-fach mit monostabilen Relais wird der Zustand nur gehalten, solange Busspannung anliegt.
Über die Handbedienung am Aktor. Jeder Kanal lässt sich manuell schalten und zeigt seinen Zustand per LED – so trennst du Installationsfehler sauber von Programmierfehlern.
Innerhalb von KNX ja, solange die Datenpunkttypen der Kommunikationsobjekte zusammenpassen. Ein Schaltbefehl des MDT Glastaster II Smart steuert über eine gemeinsame Gruppenadresse jeden beliebigen Kanal deiner MDT-Aktoren. Für größere Projekte lohnt sich ein Blick in die gesamte Kategorie Aktoren.
✍️ Autor: smartkram-Redaktion
🔄 Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
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