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Konventionelle Taster an den KNX-Bus bringen: Tasterschnittstellen in der Praxis

MDT Tasterschnittstelle BE-04001.02 – konventionelle Taster an den KNX-Bus

Konventionelle Taster an den KNX-Bus bringen: Tasterschnittstellen in der Praxis

Bei einer KNX-Nachrüstung oder Renovierung stellt sich fast immer dieselbe Frage: Müssen die vorhandenen Taster und Schalter raus und durch teure KNX-Bedienelemente ersetzt werden? Nein. Mit einer Tasterschnittstelle (auch Binäreingang genannt) bindest du deine bestehenden, konventionellen Taster sauber an den KNX-Bus an. Das kleine Unterputz-Modul sitzt hinter dem Taster in der Schalterdose und wandelt jeden Tastendruck in ein KNX-Telegramm um. So bleibt die gewohnte Bedienung erhalten und die Installation wird trotzdem intelligent.

Hinweis: Die Produktempfehlungen in diesem Artikel verlinken auf unseren eigenen Shop smartkram.de.

Empfehlung der Redaktion: Für die meisten Nachrüst- und Renovierungsprojekte ist die MDT Tasterschnittstelle 4-fach BE-04001.02 (potentialfrei) die beste Allround-Wahl. Vier potentialfreie Eingänge decken eine Doppelwippe komplett ab, jeder Kanal lässt sich als Ein- oder Ausgang parametrieren, und dank Standardgröße passt das Modul in nahezu jede 55-mm-Dose. Damit deckst du den Großteil aller typischen Einbausituationen ohne Kompromisse ab.

Was ist eine Tasterschnittstelle?

Eine Tasterschnittstelle ist ein kompaktes Unterputz-Modul, das potentialfreie Kontakte oder Schaltsignale einliest und als KNX-Telegramme auf den Bus sendet. Anders als ein KNX-Glastaster ist sie kein Bedienelement, sondern eine reine Schnittstelle: Vorne bleibt dein gewohnter mechanischer Taster in der Wand, hinten hängt das Modul am Bus. Genau das macht sie ideal für Bestand und Renovierung – du behältst die vorhandenen Wippen und Rahmen und musst keine neuen, teuren KNX-Taster kaufen.

Der Trick liegt in der Bauform: Das Modul ist so flach, dass es hinter dem Taster in der Schalterdose Platz findet. Jede Taste wird über eine Ader auf einen Eingang (A, B, C, D …) geführt. Drückst du die Taste, erkennt das Modul den Kontakt und schickt ein frei parametrierbares Telegramm los – zum Beispiel „Licht ein“, „Jalousie ab“ oder „Szene Abend“. So wird aus einem simplen Wippschalter im Handumdrehen ein vollwertiger KNX-Bedienpunkt.

Und es geht nicht nur um Taster: Über die potentialfreien Eingänge lassen sich ebenso Fensterkontakte, Reedkontakte, Bewegungsmelder mit Relaisausgang oder andere Meldekontakte einlesen. Damit wird die Tasterschnittstelle zum universellen Tor für alles, was einen Schaltkontakt liefert.

Potentialfrei oder 230 V?

Die wichtigste Entscheidung vor dem Kauf: Wie sind deine vorhandenen Taster verdrahtet?

  • Potentialfreie Variante – z. B. die MDT BE-04001.02. Das Modul legt selbst eine ungefährliche Kleinspannung auf die Kontakte und wertet aus, ob der Taster geschlossen ist. An diese Eingänge dürfen ausschließlich potentialfreie Kontakte – also einfache Taster, Reed- oder Relaiskontakte. Das ist der Standardfall für saubere Neu- und Umverdrahtungen, bei denen du eigene Steuerleitungen zum Taster ziehst.
  • 230-V-Variante – z. B. die MDT BE-02230.02 (2-fach, 230 V AC). Sie wertet direkt anliegende Netzspannung als Signal aus. Das ist genau richtig, wenn deine vorhandenen Schalter oder Taster bereits mit 230 V geschaltet sind und du keine neue Steuerleitung ziehen willst.

Wichtig für die Sicherheit: Auf die potentialfreien Eingänge darf niemals 230 V gelangen – das zerstört das Modul. Umgekehrt braucht die 230-V-Variante die Netzspannung, um überhaupt ein Signal zu erkennen. Passe die Bauform also strikt an deine vorhandene Verdrahtung an. Im Zweifel gilt: Arbeiten an 230 V gehören in die Hand einer Elektrofachkraft.

2-, 4- oder 6-fach – wie viele Eingänge?

Die Faustregel ist einfach: Pro Taste ein Eingang. Eine Einzelwippe braucht einen Kanal, eine Doppelwippe (Auf/Ab) zwei, eine Vierfach-Bedienstelle vier. Zähle also die tatsächlich zu bedienenden Tasten pro Einbauort zusammen.

  • 2-fach: Die MDT BE-02001.02 ist ideal für einen einfachen Ein/Aus-Taster oder einen einzelnen Fensterkontakt – klein und günstig für Einzelstellen.
  • 4-fach: Die MDT BE-04001.02 deckt eine Doppelwippe komplett ab und lässt Reserve für einen zusätzlichen Kontakt – die pragmatische Standardgröße.
  • 6-fach: Die MDT BE-06001.02 ist die richtige Wahl an zentralen Bedienstellen oder wenn du mehrere Taster und Kontakte an einem Punkt zusammenführst.

Plane lieber einen Kanal Reserve ein – ein späterer Fensterkontakt oder ein zusätzlicher Taster ist so ohne neues Modul machbar.

Montage & Verdrahtung Schritt für Schritt

Die Montage ist bewusst schlank gehalten, damit alles hinter dem Taster in der Dose Platz findet:

  • Vorbereitung: Zuerst freischalten und Spannungsfreiheit prüfen. Eine tiefe UP-Dose (55 mm) schafft Platz für Modul und Klemmen.
  • Eingänge anschließen: Führe die Adern der Taster-Kontakte auf die Eingänge A, B, C, D. Bei den potentialfreien MDT-Modulen teilen sich die Eingänge einen gemeinsamen Bezugsleiter (die „Wurzel“) – ein Draht vom Taster geht auf den jeweiligen Kanal, der zweite auf die gemeinsame Klemme.
  • Busanschluss: Klemme die rot/schwarze KNX-Busleitung an die Busklemme des Moduls. Damit ist das Modul mit Spannung und Kommunikation versorgt – ein separates Netzteil braucht es nicht.
  • Einbau: Schiebe das flache Modul hinter den Taster, setze den Taster wieder ein und verschließe die Dose.

Status-LEDs als Rückmeldung: Bei den MDT-Modulen lässt sich jeder Kanal in der ETS wahlweise als Eingang oder als Ausgang parametrieren. Als Ausgang steuert der Kanal eine Status- oder Orientierungs-LED direkt im Taster an. So bekommst du eine echte Rückmeldung, ob das Licht im Raum brennt, oder eine dezente Orientierungsbeleuchtung im Dunkeln – ohne zusätzliches Gerät.

Nachrüsten ohne Buskabel: KNX RF+

Nicht immer liegt eine Busleitung dort, wo der Taster sitzt – gerade im Bestand ein häufiges Problem. Für genau diesen Fall gibt es die Funk-Variante: Die MDT KNX-RF+ Tasterschnittstelle 2-fach RF-BE2230.01 sendet die Tastensignale per Funk (KNX RF+) statt über die grüne Busleitung. Du musst also keine neue Leitung ziehen, um einen abseits liegenden Taster einzubinden.

Voraussetzung ist ein KNX-System mit RF-Anbindung (z. B. über einen Medienkoppler zwischen TP-Bus und Funk). Damit lassen sich einzelne Bedienstellen, ein Nebengebäude oder nachträglich gewünschte Taster ohne Stemmarbeiten integrieren – ein starkes Werkzeug für die Bestandssanierung.

Inbetriebnahme in der ETS

Die eigentliche Intelligenz steckt in der Parametrierung. In der ETS legst du für jeden Kanal fest, was ein Tastendruck bewirken soll. Typische Betriebsarten sind:

  • Schalten – Ein/Aus, Umschalten, Wert senden.
  • Dimmen – kurzer Druck schaltet, langer Druck dimmt heller/dunkler.
  • Jalousie – kurz für Stopp/Schritt, lang für Auf/Ab.
  • Szene – Abruf und Speichern kompletter Lichtstimmungen.

Zusätzlich stellst du Feinheiten wie Entprellzeit, Kurz-/Lang-Erkennung und – bei den als Ausgang genutzten Kanälen – das Verhalten der Status-LED ein. Weil sich jeder Kanal frei zuordnen lässt, kann ein und derselbe vorhandene Taster nach dem Umbau plötzlich Szenen abrufen, Rollläden fahren oder Zentralfunktionen auslösen.

Alternative von ABB

MDT ist nicht die einzige Option. Wer im ABB/Busch-Jaeger-Umfeld plant, findet mit der ABB Universalschnittstelle 4-fach US/U4.2 eine bewährte Alternative. Sie erfüllt dieselbe Aufgabe – konventionelle Taster und Kontakte an den KNX-Bus bringen – und ist eine gute Wahl, wenn du dein System herstellerkonsistent halten möchtest.

Häufige Fragen

Kann ich meine vorhandenen Taster wirklich behalten?

Ja – genau dafür ist die Tasterschnittstelle gedacht. Deine mechanischen Taster und Rahmen bleiben in der Wand, das Modul kommt unsichtbar dahinter in die Dose. Du sparst dir den Kauf neuer KNX-Bedienelemente und behältst die gewohnte Optik.

Woran erkenne ich, ob ich die potentialfreie oder die 230-V-Variante brauche?

Entscheidend ist die vorhandene Verdrahtung. Liegen einfache Steuerleitungen ohne Netzspannung am Taster an, nimmst du die potentialfreie Version (z. B. BE-04001.02). Sind die Taster bereits mit 230 V geschaltet, ist die 230-V-Variante (BE-02230.02) richtig. Auf potentialfreie Eingänge darf niemals Netzspannung gelangen.

Kann ich auch Fensterkontakte einlesen?

Ja. Reed- und Fensterkontakte, Relaiskontakte von Bewegungsmeldern oder andere potentialfreie Meldekontakte werden an den Eingängen genauso ausgewertet wie ein Taster. So bindest du zum Beispiel Fensterüberwachung oder Präsenzmeldungen in deine KNX-Logik ein.

Was mache ich, wenn kein Buskabel zum Taster liegt?

Dann ist die Funk-Variante RF-BE2230.01 (KNX RF+) die Lösung. Sie überträgt die Signale drahtlos, sodass du keine neue Busleitung stemmen musst. Voraussetzung ist ein Medienkoppler, der Funk und TP-Bus verbindet.

Brauche ich für die Tasterschnittstelle ein eigenes Netzteil?

Nein. Das Modul wird über die KNX-Busleitung mit Spannung versorgt. Es genügt der Anschluss der roten/schwarzen Busader an die Busklemme – die zentrale KNX-Spannungsversorgung deiner Anlage übernimmt den Rest.

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