Ratgeber · Planung & Neubau
Wie viele Steckdosen kommen ins Wohnzimmer? Wo soll später die Wallbox laden, wo der Router stehen, welche Räume werden smart? Die Elektroplanung im Neubau entscheidet darüber, wie gut du in zehn Jahren noch mit deinem Haus lebst – und sie ist genau die Phase, in der du als Bauherr am meisten bewegen kannst. Denn planen, Bedarf ermitteln, Material auswählen und vorbereiten darfst du selbst. Die Ausführung der festen Installation bleibt beim eingetragenen Elektro-Fachbetrieb. Dieser Ratgeber zeigt dir den kompletten Ablauf – und wo die Grenze zwischen deiner Arbeit und der des Profis verläuft.

Viele Bauherren rutschen in die Elektroplanung erst hinein, wenn der Elektriker schon auf der Baustelle steht und fragt, wo die Steckdosen hinsollen – der teuerste Moment für Entscheidungen. Wer die Planung als eigene Phase begreift und ihr Zeit gibt, spart später Geld, Nerven und Stemmarbeit. Die gute Nachricht: Der größte Teil dieser Denkarbeit ist reine Planung und damit deine Sache. Die Elektroplanung lässt sich in vier Phasen gliedern – die ersten drei drehen sich ums Verstehen, Aufschreiben und Auswählen, hier bist du am Zug. Die vierte ist die fachliche Umsetzung, die zwingend zur Elektrofachkraft gehört.
| Phase | Worum es geht | Wer macht’s? |
|---|---|---|
| 1. Bedarf | Raum für Raum festlegen, was du brauchst: Steckdosen, Lichtpunkte, Netzwerk, Großgeräte, Lade- und Außenstrom | Du selbst |
| 2. Aufteilungsplan | Positionen in den Grundriss zeichnen: Wo genau sitzt was, in welcher Höhe, in welcher Schaltung | Du planst, Fachkraft prüft |
| 3. Stromlaufplan | Stromkreise verstehen, Verteiler-Größe abschätzen, Material auswählen | Du verstehst & wählst aus |
| 4. Ausführung | Fachliche Detailplanung, Dimensionierung, Verlegen, Anklemmen, Messen, Prüfen, Dokumentieren | Ausschließlich die Fachkraft |
Der entscheidende Gedanke: Du lieferst die Anforderungen, dein Elektriker verwandelt sie in eine normgerechte Anlage – je klarer deine Vorgaben, desto besser das Ergebnis. Welche Arbeiten überhaupt in deine Hand gehören und welche nicht, ordnet unser Pillar-Ratgeber Elektroarbeiten selber machen: Was ist erlaubt? ein.
Die Bedarfsermittlung ist die wichtigste Phase – und sie kostet nichts außer Zeit. Nimm dir den Grundriss und geh jeden Raum einzeln durch. Der häufigste Planungsfehler ist nicht die falsche Technik, sondern schlicht zu wenig davon: zu wenige Steckdosen, zu wenige Lichtpunkte, kein Netzwerk dort, wo später der Fernseher hängt. Wie viele Steckdosen „richtig“ sind, ist keine Glaubensfrage, sondern eine Frage der Nutzung. Als grobe Orientierung – ausdrücklich als Erfahrungswert, nicht als Norm-Vorgabe:
| Raum | Worauf achten (Orientierung) |
|---|---|
| Wohnzimmer | Medienwand großzügig ausstatten, zweite Ecke für Stehlampe/Laden, Netzwerkdose einplanen |
| Küche | Arbeitsfläche dicht besteckt, Großgeräte (Backofen, Geschirrspüler, Kochfeld) mit eigener Versorgung |
| Schlafzimmer | Beidseitig am Bett, Platz für Leseleuchte und Ladegeräte, ggf. Rollladensteuerung |
| Arbeitszimmer | Deutlich mehr als gedacht: Rechner, Monitore, Drucker, Netzwerk, Ladeschalen |
| Flur/Diele | Steckdose für Sauger/Reinigung, Anschluss für spätere Sprech-/Türtechnik |
| Außen & Garage | Außensteckdose, Beleuchtung, Reserve für Wallbox und Gartenstrom |
Diese Werte sind bewusst keine Zahlenvorgaben – Orientierungswerte zur Ausstattung liefern die Norm DIN 18015 und die Gütesicherung RAL-RG 678, nach denen dein Planer arbeitet. Dein Job in dieser Phase ist es, deine Nutzung ehrlich zu beschreiben. Ein guter Satz für jeden Raum: „Was steht hier in fünf Jahren, und was braucht das an Strom und Daten?“
Jetzt wird aus der Bedarfsliste ein Bild. Nimm einen Grundriss (Bauplan-Kopie oder Skizzier-App) und setze Symbole für Steckdosen, Schalter, Leuchtenauslässe und Netzwerkdosen an ihre Position. Es geht nicht um technische Perfektion, sondern um Vollständigkeit: Dein Elektriker muss sofort verstehen, was du wo willst.
Denk bei jedem Schalter kurz nach, wie du den Raum wirklich betrittst und verlässt. Ein Flur, den man von beiden Enden betritt, will von beiden Enden geschaltet werden; eine Treppe braucht oben und unten einen Schalter. Diese Nutzungslogik kennst nur du – sie im Plan festzuhalten, ist eine deiner wichtigsten Aufgaben. Die technische Umsetzung als Wechsel- oder Kreuzschaltung ist dann Sache des Profis.
Auch die Geräte- und Serienauswahl kannst du schon vorbereiten: Welche Schalterserie, welche Farben, welche Sonderfunktionen? Einen Überblick findest du in unseren Markenwelten und in der Kategorie Schalterprogramme. Sammle deine Favoriten in der Merkliste – so gehst du mit einer konkreten Auswahl ins Gespräch.
Hier wird es technischer – aber keine Sorge, du musst nichts berechnen, es geht ums Verstehen. Ein Stromkreis ist im Grunde eine Leitung, die von einer Sicherung im Verteiler zu einer Gruppe von Verbrauchern führt. Als Planungs-Faustregel gilt: Große Einzelverbraucher wie Herd, Backofen, Wärmepumpe oder Wallbox bekommen einen eigenen Stromkreis, und Räume werden auf mehrere Sicherungen verteilt statt alles auf eine – das schafft Ausfallsicherheit. Die verbindliche Zahl und Dimensionierung legt am Ende die Fachkraft fest. Warum das für deine Planung wichtig ist: Die Anzahl der Stromkreise bestimmt direkt, wie groß dein Verteiler sein muss – eine Entscheidung, die du im Neubau nur einmal günstig triffst. Ein zu klein geplanter Verteiler ist später der Klassiker unter den Ärgernissen: Kaum kommt eine Wärmepumpe, ein Speicher oder eine zweite Wallbox dazu, ist kein Platz mehr.
Ein Wort zum Querschnitt: Welcher Leitungsquerschnitt zu welcher Absicherung passt, ist Teil der fachlichen Ausführung und gehört in die Hand deines Elektrikers – nichts, was du selbst dimensionierst oder verlegst. Wenn du das Prinzip dahinter verstehen willst, hilft dir unser Kabelquerschnitt-Rechner: Er zeigt, wie Strom, Länge und Querschnitt zusammenhängen. Für die verbindliche Auslegung deiner Anlage bleibt die Fachkraft zuständig.
Wenn ein Bauteil die Elektroplanung sichtbar macht, dann der Verteiler – oft „Sicherungskasten“ genannt. Hier laufen alle Stromkreise zusammen, hier sitzen Leitungsschutzschalter, Fehlerstrom-Schutzschalter (FI/RCD) und je nach Konzept Überspannungs- und Brandschutz. Für dich als Planer sind vor allem drei Größen interessant, die du selbst abschätzen und auswählen kannst: Größe (Modulplätze), Bauform und Schutzart.
Wichtig vorab: Bestückung, Absicherung und Anschluss des Verteilers sind reine Fachkraft-Arbeit. Was du tun kannst, ist die passende Gehäusegröße mit ausreichend Reserve auswählen – nach Abstimmung mit deinem Elektriker, der die endgültige Bestückung kennt. Diese zehn Klein- und Unterverteiler decken die typischen Neubau-Szenarien ab:
| Modell | Bauform | Größe | Schutzart | Preis |
|---|---|---|---|---|
| HAGER Unterputz VU60NC | Unterputz | 5-reihig (60 TE) | IP30 | 125,75 € |
| Hager Volta VA60CN | Aufputz | 5-reihig (60 TE) | IP30 | 129,90 € |
| HAGER univers FWB41S | Aufputz | 4-reihig (48 TE) | IP44 | 279,09 € |
| Eaton 4-reihig mit AFDD+ | mit Brandschutz (AFDD) | 4-reihig | – | 567,49 € |
| Schneider 2x18 TE 13434 | Kompaktverteiler | 2-reihig (36 TE) | IP65 | 194,95 € |
| F-tronic HW 3x12 TE | Kunststoff | 3-reihig (36 TE) | IP30 | 50,33 € |
| Schneider 1x12 TE 13431 | Kompaktverteiler | 1-reihig (12 TE) | IP65 | 74,27 € |
| HAGER Hohlwand VH12NC | Hohlwand | 1-reihig (12 TE) | IP30 | 61,58 € |
| HAGER Aufputz VE106D | Aufputz | 6 TE | IP65 | 39,54 € |
| Schneider Mini 6 TE 13442 | Kompaktverteiler | 6 TE | IP65 | 36,27 € |
Für das klassische Einfamilienhaus ist ein großzügiger Verteiler die klügere Wahl. Der HAGER Unterputz-Verteiler mit 5 Reihen (125,75 €) verschwindet sauber in der Wand und bietet mit 60 TE reichlich Platz plus Reserve; wer ihn lieber sichtbar im Technikraum setzt, findet im baugleich großen Hager Volta Aufputz-Verteiler (129,90 €) das Gegenstück.
Wer beim Brandschutz weitergehen will, schaut sich den Eaton Kleinverteiler mit integriertem AFDD+ (567,49 €) an: AFDD steht für Brandschutzschalter (Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung), der gefährliche Lichtbögen erkennen soll, bevor sie einen Brand auslösen. Ob ein solcher Schutz sinnvoll oder gefordert ist, beurteilt deine Fachkraft – als Ausstattungswunsch kannst du ihn aber von Anfang an mit einplanen.
Für Garage, Gartenhaus oder Feuchträume reichen oft kleinere, robustere Gehäuse mit höherer Schutzart: Der Schneider Kompaktverteiler 2x18 TE in IP65 (194,95 €) ist dafür ausgelegt, der F-tronic 3x12 TE (50,33 €) ist ein preiswerter Innenraum-Verteiler. Für eine reine Erweiterung genügt oft schon der Schneider Mini-Verteiler mit 6 TE (36,27 €) oder der HAGER Aufputz-Verteiler mit 6 TE in IP65 (39,54 €).
Kaum eine Entscheidung ist so nachhaltig wie die, ob und wie smart dein Haus wird. Ein leitungsgebundenes System wie KNX gilt als besonders zukunftssicher, setzt aber voraus, dass die Busleitung von Anfang an mitverlegt wird. Genau deshalb gehört diese Frage in die Planungsphase und nicht auf die To-do-Liste nach dem Einzug.
Selbst wenn du dich gegen ein festes Bussystem entscheidest, lohnt der Blick nach vorn: Großzügig dimensionierte Leerrohre sind eine günstige Versicherung – sie erlauben später, Leitungen ohne Stemmarbeiten nachzuziehen. Die steckerfertige und funkbasierte Smart-Home-Welt (Zwischenstecker, Funk-Thermostate, Sensoren aus unserer Smart-Home-Kategorie) kannst du jederzeit selbst nachrüsten. Fest verdrahtete Komponenten wie Unterputz- und KNX-Aktoren oder Zentralen auf der Hutschiene wählst du aus, dein Elektriker bindet sie ein.
Die Elektroplanung ist der größte legale Hebel, um bei der Elektroinstallation Geld zu sparen – ganz ohne rechtliches Risiko. Die wertvollste Eigenleistung ist hier nämlich nicht das Stemmen, sondern das Denken: Wer gut plant, vermeidet teure Änderungen während der Bauphase.
Darüber hinaus gibt es die klassische „Muskelhypothek“: Viele Betriebe lassen dich nach ihrer Vorgabe Schlitze stemmen, Leerrohre verlegen oder Dosen setzen – das ist Bauarbeit, keine Elektroarbeit. Entscheidend ist die Reihenfolge: erst mit dem Betrieb abstimmen, dann loslegen, denn er übernimmt am Ende die Verantwortung für die gesamte Anlage. Welche vorbereitenden Arbeiten konkret in Frage kommen, vertieft unser Pillar-Ratgeber Elektroarbeiten selber machen: Was ist erlaubt?
Die klare Grenze bleibt: Sobald es ans Einziehen, Anklemmen und Bestücken geht – also an die feste Installation selbst –, ist ausschließlich der eingetragene Fachbetrieb zuständig. Das ist kein Bürokratie-Argument, sondern Sicherheit: Ob eine Anlage fachgerecht ist, sieht man ihr nicht an. Genau darum prüft und misst die Fachkraft nach.
Ehrlich bleibt hier nur eine Aussage in Größenordnungen: Was eine Elektroinstallation im Neubau kostet, lässt sich nicht seriös pauschalisieren – ein sparsam ausgestattetes Reihenhaus und eine komfortabel geplante Stadtvilla mit Smart Home, Wallbox und PV-Speicher trennen Welten. Wer dir eine feste Zahl ohne Blick auf deinen Plan nennt, rät.
Was du dagegen konkret vergleichen kannst, sind die Materialkosten. Bei den Verteilern reicht die Spanne in unserem Sortiment von rund 36 € für einen kompakten Schneider Mini-Verteiler bis 567,49 € für den Eaton-Verteiler mit integriertem Brandschutz – das zeigt, wie stark der Ausstattungsgrad durchschlägt. Der größte Kostenhebel liegt aber in der Vermeidung von Änderungen: Jeder Wunsch, der erst in der Rohbauphase dazukommt, kostet mehr als derselbe Wunsch im Plan. Eine durchdachte Bedarfs- und Materialliste ist deshalb selbst schon die beste Sparmaßnahme.

Die Bedarfsermittlung, den Aufteilungsplan und die Materialauswahl darfst du selbst erarbeiten – das ist wertvolle Eigenleistung ohne rechtliches Risiko. Die verbindliche fachliche Planung (Dimensionierung, Absicherung, normgerechte Ausführung) und die Installation selbst gehören dagegen zwingend in die Hand eines Installateurunternehmens, das in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist (NAV §13). Kurz: Du planst und wählst aus, dein Elektriker plant fachlich fertig und führt aus.
Das hängt von der Anzahl der Stromkreise und deinem Ausstattungswunsch ab – das legt am Ende die Fachkraft fest. Als Planungs-Faustregel gilt: großzügig rechnen und einige Reihen als Reserve freilassen. Ein Verteiler mit fünf Reihen wie der HAGER VU60NC (60 TE) bietet für ein typisches Einfamilienhaus Platz für die Stromkreise plus spätere Erweiterungen wie Wärmepumpe, Speicher oder Wallbox. Zu knapp geplant ist der häufigste teure Fehler.
TE steht für Teilungseinheit – die Maßeinheit für die Modulplätze im Verteiler. Ein einfacher Leitungsschutzschalter belegt eine TE, ein Fehlerstrom-Schutzschalter (FI/RCD) mehrere. Ein Verteiler mit „5x12 TE“ hat fünf Reihen mit je zwölf Plätzen, also 60 TE. Für deine Planung heißt das: Je mehr Stromkreise und Schutzeinrichtungen, desto mehr TE brauchst du – und ein paar zusätzliche als Reserve schaden nie.
Das ist vor allem eine Frage von Optik und Einbausituation. Unterputz-Verteiler verschwinden flach in der Wand und sind im Neubau die sauberste Lösung für Wohnbereiche – etwa der HAGER VU60NC. Aufputz-Verteiler sitzen sichtbar auf der Wand und sind typisch für Keller, Garage oder Technikraum, wo Optik zweitrangig ist. Für Trockenbauwände gibt es zusätzlich Hohlwand-Ausführungen. Die Auswahl triffst du, den Einbau macht die Fachkraft.
Es gibt Erfahrungswerte, aber keine pauschale Zauberzahl – entscheidend ist deine Nutzung. Fachliche Anhaltspunkte zur Ausstattung liefern die Norm DIN 18015 und die Gütesicherung RAL-RG 678, nach denen dein Planer arbeitet. Als grobe Orientierung gilt: lieber ein paar mehr als zu wenig, denn Nachrüsten ist im Neubau um ein Vielfaches teurer. Geh jeden Raum gedanklich im fertigen Zustand durch und notiere jeden Verbraucher – das ist die beste Grundlage für das Gespräch mit dem Elektriker.
Wenn du ein leitungsgebundenes System wie KNX möchtest, ja – die Busleitung muss von Anfang an mitverlegt werden, ein Nachrüsten ist aufwendig. Aber selbst wenn du dich dagegen entscheidest, lohnen sich großzügige Leerrohre als günstige Zukunftsversicherung: Sie erlauben später, Leitungen ohne Stemmarbeiten nachzuziehen. Steckerfertige und funkbasierte Smart-Home-Geräte kannst du dagegen jederzeit selbst nachrüsten. Die Grundsatzentscheidung fällt aber in der Planung.
Mit guter Planung und abgestimmter Eigenleistung. Die größte Ersparnis liegt darin, teure Nachträge zu vermeiden – wer vollständig plant, muss während der Bauphase nichts kostspielig ändern. Dazu kommt die klassische Muskelhypothek: Schlitze stemmen, Leerrohre legen oder die Baustelle vorbereiten darfst du in Absprache mit dem Betrieb selbst übernehmen. Das Anklemmen, Bestücken und Prüfen bleibt beim Profi. Mehr dazu im Ratgeber Elektroarbeiten selber machen: Was ist erlaubt?
Eine seriöse Pauschalzahl gibt es nicht – die Kosten hängen von Hausgröße, Ausstattungsgrad, Smart-Home-Anteil, Region und Anbieter ab. Was du konkret vergleichen kannst, sind Materialkosten: Ein Verteiler etwa liegt je nach Größe und Ausstattung zwischen rund 36 € und 567 €. Ein belastbares Gesamtangebot bekommst du nur mit einer konkreten Bedarfs- und Materialliste – genau der Vorarbeit, die du in der Planungsphase selbst leistest.
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