Ratgeber · Brandschutz & Installation
Jedes Kabel, das eine feuerwiderstandsfähige Wand oder Decke durchquert, reißt ein Loch in den Brandschutz des Gebäudes. Eine Kabelabschottung verschließt diese Durchführung so, dass Feuer und Rauch nicht in den nächsten Abschnitt wandern können. Hier erfährst du, was hinter den Klassen mit 30 und 90 Minuten Feuerwiderstand steckt, wann die Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR/LAR) eine Abschottung fordert, welche Systeme es gibt – und worauf der Elektriker bei Ausführung und Nachbelegung achten muss.

Das Grundprinzip des baulichen Brandschutzes ist einfach: Ein Feuer soll dort bleiben, wo es ausgebrochen ist – lange genug, damit Menschen fliehen können und die Feuerwehr eingreifen kann. Dafür sorgen feuerwiderstandsfähige Wände und Decken zwischen den Abschnitten. Eine 90-Minuten-Wand nützt aber wenig, wenn mittendrin ein faustgroßes Loch klafft, durch das ein Kabelbündel läuft. Genau dort würden sich Flammen und heiße Brandgase zuerst ihren Weg suchen.
Dazu kommt: Die Isolierungen der Kabel selbst sind brennbar. Ohne Abschottung kann ein Brand an der Kabeltrasse entlangwandern und so Abschnittsgrenzen überspringen, die eigentlich dicht sein müssten. Und selbst wenn die Flammen nicht durchkommen – Rauch findet jeden Spalt. Da im Brandfall die meisten Personenschäden auf Rauchgase zurückgehen, ist die rauchdichte Ausführung der Durchführung genauso wichtig wie der Feuerwiderstand.
Eine Kabelabschottung (umgangssprachlich: Brandschott) stellt den Feuerwiderstand des Bauteils an der Durchführung wieder her. Sie ist kein Zubehör nach Geschmack, sondern Teil des baulichen Brandschutzes – mit klaren Regeln, welches System wo und wie eingebaut werden darf.
Hinter dem Buchstaben-Zahlen-Mix steckt weniger Magie, als es aussieht. Entscheidend ist die Zahl: Sie sagt, wie viele Minuten das Bauteil oder die Abschottung dem Normbrand standhalten muss. Eine Wohnungstrennwand ist je nach Gebäude beispielsweise als F90-Bauteil ausgeführt – und eine Kabeldurchführung durch diese Wand muss dann eine Abschottung mit 90 Minuten Feuerwiderstand erhalten, damit die Wand ihre Schutzwirkung behält.
Die Buchstaben bezeichnen die Art des geprüften Gegenstands: F steht klassisch für Bauteile wie Wände und Decken, S nach der alten nationalen Systematik für Kabelabschottungen, R für Rohrabschottungen. In der europäischen Klassifizierung heißt das Kriterium für Abschottungen EI – das E steht für den Raumabschluss, das I für die Wärmedämmung. Im Alltag sagen viele trotzdem einfach „R90-Schott“, wenn sie eine Abschottung mit 90 Minuten Feuerwiderstand meinen. Welche Klassifizierung ein konkretes System tatsächlich erreicht, steht in seinem Verwendbarkeitsnachweis – und nur der zählt.
Ein häufiger Stolperstein zum Schluss: Der elektrische Funktionserhalt (E30/E90) hat mit der Abschottung nichts zu tun. Beim Funktionserhalt geht es darum, dass sicherheitsrelevante Leitungen – etwa für Sicherheitsbeleuchtung oder Entrauchung – im Brandfall eine definierte Zeit weiter funktionieren. Die Abschottung dagegen soll verhindern, dass Feuer und Rauch die Durchführung passieren. Beides kann an derselben Trasse relevant sein, wird aber getrennt geplant und nachgewiesen.
Die Pflicht zur Abschottung ergibt sich aus dem Bauordnungsrecht: Wo eine Wand oder Decke einen Feuerwiderstand haben muss, darf eine Leitungsdurchführung diesen Schutz nicht aushebeln. Konkretisiert wird das in der Leitungsanlagen-Richtlinie, die auf der Muster-Richtlinie MLAR basiert und von den Bundesländern jeweils eingeführt wurde. Für dich heißt das praktisch: Ob und wie abgeschottet werden muss, hängt davon ab, welchen Feuerwiderstand das durchquerte Bauteil hat – und in welchem Bundesland und Gebäudetyp du unterwegs bist.
Wichtig zu wissen: Nicht jede Durchführung braucht ein aufwändiges Schott-System. Für einzelne Kabel und kleine Öffnungen sieht die MLAR unter bestimmten Bedingungen Erleichterungen vor – etwa den vollständigen Verschluss des verbleibenden Spalts mit nicht brennbaren Baustoffen wie Mörtel. Die genauen Bedingungen (zulässige Öffnungsgrößen, Abstände, Bauteile) stehen in der jeweiligen Landesfassung und sind kein Freifahrtschein: Wer sich auf eine Erleichterung beruft, muss ihre Voraussetzungen komplett einhalten.
Sobald ganze Kabeltrassen oder Bündel durch klassifizierte Bauteile laufen – typisch im Mehrfamilienhaus, im Gewerbebau oder in jedem größeren Technikraum – führt an einem zugelassenen Abschottungssystem in aller Regel kein Weg vorbei. Und in Sonderbauten wie Schulen, Versammlungsstätten oder Hochhäusern gelten zusätzliche, strengere Anforderungen aus dem Brandschutzkonzept. Die Bewertung, was im konkreten Fall gefordert ist, gehört in die Hand von Fachplaner und Elektrofachkraft.
Für den Verschluss von Kabeldurchführungen haben sich mehrere Systemfamilien etabliert. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie einfach sich später Kabel nachlegen lassen – und für welche Öffnungen sie gedacht sind. Welche Feuerwiderstandsklasse ein konkretes Produkt erreicht und wo es eingebaut werden darf, steht immer in seiner Zulassung.
| System | Funktionsprinzip | Nachbelegung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Weichschott | Mineralfaserplatten mit Brandschutzbeschichtung, Restspalten werden verspachtelt | Gut möglich: aufschneiden, Kabel nachziehen, systemkonform verschließen | Der Standard für Kabeltrassen in Wand und Decke |
| Brandschutzkissen | Geschichtete Kissen mit Brandschutzfüllung verschließen die Öffnung | Sehr einfach: Kissen entnehmen und neu schichten | Durchführungen mit häufigen Änderungen, auch temporärer Verschluss |
| Brandschutzschaum | Spezieller Schaum füllt die Öffnung aus und härtet aus | Eingeschränkt: Nachbelegung nur nach Vorgabe der Zulassung | Verwinkelte, schwer zugängliche oder kleinere Öffnungen |
| Mörtelschott | Öffnung wird mit Brandschutzmörtel vergossen | Kaum: Änderungen bedeuten Stemmarbeiten | Dauerhafte Durchführungen ohne geplante Änderungen |
| Kabelschott (mechanisch) | Rahmen-/Modulsystem, Kabel laufen durch dichtende Einsätze; Montage mit Wand- oder Bodenflanschen | Modulweise, Reserveplätze möglich | Kabelrinnen-Durchführungen, Industrie, hohe Anforderungen an Dichtheit |
Das Weichschott ist die Standardlösung für Kabeltrassen: Beschichtete Mineralfaserplatten werden passgenau in die Öffnung eingesetzt, Durchdringungen und Fugen mit Brandschutzmasse verspachtelt. Der große Vorteil liegt in der Flexibilität – spätere Nachbelegungen sind möglich, solange sie nach den Vorgaben der Zulassung ausgeführt und wieder sauber verschlossen werden.
Brandschutzkissen spielen ihre Stärke überall dort aus, wo sich die Belegung häufig ändert: Die Kissen werden dicht geschichtet in die Öffnung gepackt und lassen sich für neue Kabel einfach entnehmen und wieder einsetzen – ohne Spachtelarbeiten. Dafür sind sie bei großen Öffnungen und hohen Belegungsgraden nicht immer die wirtschaftlichste Wahl.
Brandschutzschaum eignet sich für verwinkelte oder schlecht zugängliche Durchführungen, in denen sich Platten schlecht einpassen lassen. Mörtelschotts sind die robuste, dauerhafte Variante – wer allerdings später noch einmal ran muss, hat mit Stemmarbeiten zu kämpfen. Und mechanische Kabelschott-Systeme mit Rahmen und dichtenden Einsätzen sind die erste Wahl, wenn Kabelrinnen kontrolliert durch Wände oder Böden geführt werden sollen – dazu gleich mehr.
Wo viele Kabel gemeinsam auf der Rinne durch eine Wand oder einen Boden laufen, sind mechanische Kabelschott-Systeme die aufgeräumte Lösung: Die Kabel werden in einem Rahmen mit dichtenden Einsätzen geführt, die Montage am Bauteil übernehmen passende Flansche. Genau dieses Systemzubehör findest du bei uns – von Cablofil, der Kabeltrassen-Marke von Legrand, für die Kabelschott-Baureihen EZD33T und EZD44T.
Für die Wanddurchführung gibt es Wandflansche in mehreren Größen: vom 1-fach runden Wandflansch für EZD33T (248,04 €) über den 1-fach rechteckigen Wandflansch für EZD44T (382,51 €) bis zu Mehrfach-Ausführungen wie dem 2-fach (968,64 €), dem 4-fach (1.590,16 €) und dem 7-fach Wandflansch für EZD33T (1.853,18 €).
Für die Durchführung durch Böden stehen Bodenflansche und Bodenhalterungen bereit – etwa der 1-fach runde Bodenflansch für EZD33T (190,28 €), die Bodenhalterung für EZD44T 1-fach (193,80 €) oder der Bodenflansch für EZD44T 1-5 fach (465,17 €). Für große Trassenbündel gibt es bis hin zum 8-fach Bodenflansch für EZD44T (3.741,49 €) die passende Größe. Welcher Flansch zu welchem Schott und welcher Einbausituation gehört, klärst du anhand der Systemunterlagen von Cablofil – die Flansche sind Systemzubehör und werden gemeinsam mit dem zugehörigen Kabelschott geplant.
Ein Sonderfall aus dem Schaltschrankbau: Die Hager ZZ12V Abschottung (8,79 €) ist eine senkrechte Abschottung für den Anschlussraum im Hager-universZ-System (150/300 mm). Sie trennt Bereiche innerhalb des Verteilerfelds sauber ab – ein kleines Teil, das bei der ordentlichen Ausführung von Zählerplatz und Anschlussraum hilft.
Der häufigste Fehler in der Praxis ist nicht das fehlende Schott, sondern das falsch ausgeführte: die Mineralfaserplatte ohne Beschichtung, das nachträglich durchgeschobene Kabel mit offenem Spalt, der PU-Bauschaum als vermeintlicher Brandschutz. Eine Abschottung wirkt nur dann, wenn sie exakt so eingebaut ist, wie es der Hersteller geprüft und die Zulassung beschrieben hat – inklusive der verwendeten Komponenten, der zulässigen Kabeltypen und der Einbausituation.
Deshalb gilt für jede Fachkraft: Vor dem Einbau die Zulassung des konkreten Systems besorgen und lesen. Sie beantwortet die Fragen, die kein Ratgeber pauschal beantworten kann – welche Wanddicke mindestens nötig ist, wie groß die Öffnung sein darf, wie Kabelbündel zu behandeln sind und wie eine Nachbelegung abzulaufen hat. Im Zweifel hilft der technische Support des Systemherstellers weiter.
Eine Kabelabschottung verschließt die Öffnung, durch die Kabel eine feuerwiderstandsfähige Wand oder Decke durchqueren, so, dass der Feuerwiderstand des Bauteils erhalten bleibt. Sie verhindert, dass sich Feuer und Rauch über die Durchführung in den nächsten Brandabschnitt ausbreiten. Umgangssprachlich wird sie oft Brandschott genannt.
Immer dann, wenn Leitungen durch Wände oder Decken geführt werden, die einen Feuerwiderstand haben müssen – die Details regelt die Leitungsanlagen-Richtlinie (LAR) deines Bundeslandes auf Basis der MLAR. Für einzelne Leitungen und kleine Öffnungen gibt es unter bestimmten Bedingungen Erleichterungen, etwa den Verschluss mit nicht brennbaren Baustoffen. Was konkret gilt, klären Fachplaner und Elektrofachkraft anhand von Bauordnung, LAR und Brandschutzkonzept.
Die Zahl gibt die Feuerwiderstandsdauer in Minuten an: 30 oder 90 Minuten. Formal wurden Kabelabschottungen national nach DIN 4102-9 mit S klassifiziert (z. B. S90), europäisch gilt die Klassifizierung EI (z. B. EI 90); das R trägt klassisch die Rohrabschottung. Im Alltag ist trotzdem oft pauschal vom „R90-Schott“ die Rede. Entscheidend ist: Die Abschottung muss die Feuerwiderstandsdauer des durchquerten Bauteils erreichen – welche Klasse ein System tatsächlich hat, steht in seiner Zulassung.
Als Faustregel: das Weichschott als Standard für Kabeltrassen, Brandschutzkissen für Durchführungen mit häufigen Änderungen, Schaum für verwinkelte oder schwer zugängliche Öffnungen, Mörtel für dauerhafte Durchführungen ohne Änderungsbedarf. Für Kabelrinnen-Durchführungen mit hohen Anforderungen sind mechanische Kabelschott-Systeme mit Wand- und Bodenflanschen die aufgeräumte Lösung. Ob ein System für deine Einbausituation zugelassen ist, entscheidet immer sein Verwendbarkeitsnachweis.
Nur systemkonform: Die Zulassung des Abschottungssystems beschreibt, ob und wie eine Nachbelegung zulässig ist – beim Weichschott etwa durch Aufschneiden, Nachziehen und fachgerechtes Wiederverschließen, bei Kissen durch Entnehmen und Neuschichten. Ein einfach durchgestochenes Kabel mit offenem Spalt oder ein mit PU-Bauschaum „geflicktes“ Schott macht die Abschottung wirkungslos.
Die Ausführung gehört in die Hand qualifizierter Fachkräfte, die das verwendete System kennen und exakt nach dessen Zulassung arbeiten. Viele Systemhersteller bieten dafür Schulungen an. Zur fachgerechten Ausführung gehören auch Kennzeichnungsschild und Dokumentation – der Betreiber des Gebäudes muss den Zustand seiner Abschottungen anschließend im Betrieb im Blick behalten.
Kabelabschottung ist kein lästiges Anhängsel der Elektroinstallation, sondern gelebter Brandschutz: Jede Durchführung durch eine klassifizierte Wand oder Decke muss den Feuerwiderstand des Bauteils wiederherstellen – typisch 30 oder 90 Minuten. Die Wahl des Systems folgt dem Einsatz: das Weichschott als Standard für Kabeltrassen, Brandschutzkissen dort, wo sich die Belegung häufig ändert, Schaum und Mörtel für einfache, dauerhafte Durchführungen. Wo Kabelrinnen kontrolliert durch Wände und Böden laufen sollen, sind mechanische Kabelschott-Systeme die sauberste Lösung – das passende Systemzubehör von Cablofil, vom 1-fach Bodenflansch (190,28 €) bis zum Mehrfach-Wandflansch, findest du bei uns im Shop.
Die wichtigste Regel zum Schluss: Kein Ratgeber ersetzt die Zulassung. Welche Feuerwiderstandsklasse ein System erreicht, wie es eingebaut wird und wie eine Nachbelegung abläuft, steht im Verwendbarkeitsnachweis des konkreten Produkts – und die Ausführung gehört in die Hand qualifizierter Fachkräfte. Mehr Grundlagenwissen rund um Elektroinstallation und Gebäudetechnik findest du in unserem Ratgeber-Bereich.
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