Ratgeber · Homematic IP
Jedes Homematic IP System beginnt mit derselben Entscheidung: Welche Zentrale – oft auch Basisstation genannt – soll das Ganze steuern? Der steckerfertige Access Point 2 für den einfachen Einstieg, die lokale CCU3 mit ihrer WebUI, die neue Home Control Unit HCU1 als Nachfolgerin von beidem – oder gleich der Wired Access Point für die Bus-Installation? Hier bekommst du den kompletten Überblick, inklusive der Antwort auf die Dauerfrage, wie du die Funk-Reichweite verbesserst, wenn ein Raum mal nicht mitspielt.

Homematic IP kennt aktuell drei Wege zur Zentrale: den cloudbasierten Access Point fürs Funk-System, die lokal arbeitende CCU-Schiene (CCU3, jetzt HCU1) und den Wired Access Point für die Bus-Installation. Die Tabelle zeigt, wo die Unterschiede liegen – Preise nennen wir für die Geräte aus unserem Sortiment.
| Zentrale | System | Steuerung | Preis |
|---|---|---|---|
| eQ-3 Access Point 2 (HmIP-HAP2) | Funk | App, Anbindung per LAN oder WLAN | 56,66 € |
| eQ-3 Access Point 2, anthrazit (HmIP-HAP2-A) | Funk | wie HAP2, in Anthrazit | 56,66 € |
| Homematic IP Wired Access Point (HmIPW-DRAP) | Wired (Bus) | App, Hutschienen-Montage im Verteiler | 149,58 € |
| Access Point (HmIP-HAP, 1. Generation) | Funk | App, Anbindung nur per LAN | abgelöst durch HAP2 |
| Smart Home Zentrale CCU3 | Funk + Homematic (classic) | lokal per WebUI im Browser | abgekündigt – Nachfolger HCU1 |
| Home Control Unit HCU1 | Funk + Wired | lokal, per App und Browser | Nachfolgerin von HAP & CCU3 |
Für die allermeisten Einsteiger ist der Access Point 2 der richtige Startpunkt: auspacken, mit Strom und Heimnetz verbinden, App installieren, QR-Code scannen – danach lernst du deine Geräte nacheinander an. Die Steuerung läuft über die Homematic IP Cloud, die App ist kostenlos und laufende Gebühren fallen nicht an. Wichtig zu wissen: Direktverknüpfungen zwischen Geräten – etwa Fensterkontakt und Heizkörperthermostat – funktionieren auch dann weiter, wenn Internet oder Server mal nicht erreichbar sind, denn sie werden direkt zwischen den Geräten gespeichert.
Gegenüber der ersten Generation (HmIP-HAP) hat der HAP2 vor allem zwei Vorteile: Er muss nicht mehr zwingend per Netzwerkkabel an den Router, sondern funkt auf Wunsch per WLAN ins Heimnetz – das macht die Platzierung deutlich flexibler, was gleich beim Thema Reichweite wichtig wird. Und er ist die modernere Plattform, auf der eQ-3 das System weiterentwickelt. Wer noch einen HAP der ersten Generation betreibt, muss nicht in Panik wechseln – für Neueinsteiger führt am HAP2 aber kein Weg vorbei.
Ob die weiße oder die anthrazitfarbene Variante: Technisch nimmt sich das nichts, beide kosten bei uns 56,66 €. Wähle einfach die Farbe, die an ihrem Platz weniger auffällt.
Die CCU3 war jahrelang die Wahl für alle, die ihr Smart Home komplett lokal und ohne Cloud betreiben wollten: Automatisierungen, Skripte und die Konfiguration liefen über die WebUI im Browser, und wer aus dem älteren Homematic-System (classic) kam, konnte alte und neue Geräte an einer Zentrale mischen. Genau deshalb taucht die Frage nach dem „CCU3 Nachfolger“ so häufig auf, seit eQ-3 die Zentrale abgekündigt hat.
Die Antwort heißt Home Control Unit, kurz HCU1. Sie führt die beiden bisherigen Produktlinien zusammen: die lokale Intelligenz der CCU-Schiene und die komfortable App-Bedienung des Access Points. Automatisierungen laufen auf dem Gerät selbst statt in der Cloud, bedient wird wahlweise per App oder im Browser, und die HCU1 beherrscht sowohl das Funk- als auch das Wired-System – sie kann also perspektivisch beides ersetzen: Access Point und CCU3.
Einen Wermutstropfen gibt es für Umsteiger mit langer Homematic-Historie: Geräte des alten classic-Systems (erkennbar an Bezeichnungen wie „HM-…“ statt „HmIP-…“) unterstützt die HCU1 nicht mehr. Wer solche Geräte im Bestand hat, betreibt seine CCU3 entweder weiter, solange sie läuft, oder nimmt den Generationswechsel zum Anlass, die Altgeräte nach und nach durch Homematic IP zu ersetzen. Für reine Homematic-IP-Haushalte ist die HCU1 dagegen der logische Weg, wenn App-Komfort allein nicht reicht und du mehr Automatisierungstiefe willst als mit dem Access Point.
Während Funk-Homematic nachträglich in jede Wohnung einzieht, ist Homematic IP Wired das System für alle, die neu bauen oder ohnehin die Wände offen haben: Sensoren und Aktoren hängen an einer Busleitung, die Aktorik sitzt zentral im Verteiler – robust, wartungsarm und ohne Batteriewechsel. Das Herzstück dieser Installation ist der HmIPW-DRAP: Er sitzt als Hutschienengerät im Verteiler und bindet die Wired-Komponenten an App und System an. Auch eine Kombination mit Funk-Geräten ist im Homematic-IP-System vorgesehen – praktisch für Stellen, an die nachträglich kein Kabel mehr kommt.
Ob Funk oder Bus die bessere Basis für dein Projekt ist, haben wir in einem eigenen Ratgeber gegenübergestellt: Homematic IP Wired vs. Funk. Und wenn die Entscheidung für Wired gefallen ist, führt dich unsere Wired-Planungshilfe durch Busleitung, Verteiler-Layout und Komponentenwahl – inklusive der Frage, welche Netzteile und Aktoren auf die Hutschiene gehören.
Die Suche nach einem „Homematic Repeater“ endet bei Homematic IP Funk regelmäßig in einer Überraschung: Einen klassischen, separaten Repeater gibt es im aktuellen Funk-Sortiment nicht – und der Access Point lässt sich auch nicht als Repeater zweckentfremden. Das ist weniger schlimm, als es klingt, denn die 868-MHz-Funktechnik von Homematic IP kommt in typischen Ein- und Mehrfamilienhäusern erstaunlich weit. Die Frequenz durchdringt Mauerwerk besser als das 2,4-GHz-Band, und weil die Geräte nur kurze Telegramme senden, bleibt der Funkkanal ruhig.
Wenn einzelne Geräte trotzdem schlecht erreichbar sind, gehst du in dieser Reihenfolge vor: Erstens die Zentrale umplatzieren – möglichst zentral in der Wohnung, erhöht, mit Abstand zu großen Metallflächen, Verteilerschränken und WLAN-Routern. Genau hier spielt der Access Point 2 seine WLAN-Anbindung aus: Er kann dort hängen, wo der Funk am besten verteilt wird, statt dort, wo zufällig die LAN-Dose sitzt. Zweitens das Problemgerät prüfen – ein Thermostat direkt hinter einem Heizkörper in der Nische oder ein Fensterkontakt im Alurahmen funkt naturgemäß schlechter. Drittens, bei größeren Installationen: Die HCU1 bringt mit dem erweiterten Routing eine Systemlösung mit, bei der dauerversorgte Geräte Funkbefehle in entlegene Ecken weiterreichen. Und wer ganz sichergehen will – etwa über mehrere Etagen oder in den Keller – nimmt kritische Strecken gleich per Wired-Bus aus der Funkgleichung heraus.
Eine Zentrale allein macht noch kein Smart Home – und nicht jeder Eingang ins System muss ein neues Homematic-Gerät sein. Genau dafür gibt es die Schnittstellen-Module: Die HmIP-SCI meldet den Zustand potentialfreier Kontakte per Funk ans System – typisch für vorhandene Melde- und Schaltkontakte, die du smart auswerten willst. Die HmIP-FCI1 sitzt in der Unterputzdose hinter einem vorhandenen konventionellen Taster: Der Taster bleibt optisch, wie er ist, löst aber künftig Homematic-Szenen aus. Wichtig: Auch die FCI1 darf ausschließlich an potentialfreie Kontakte angeschlossen werden – und in einer Dose der festen Installation liegen typischerweise 230-V-Leitungen. Das Umklemmen eines vorhandenen Tasters ist damit Arbeit an der festen Elektroinstallation und gehört, wie beim Wired Access Point, in die Hand der Elektrofachkraft. Eine 6-fach-Variante (HmIP-FCI6) existiert ebenfalls, wenn mehrere Kontakte an einer Stelle zusammenlaufen.
Ein Spezialist fürs Thema Zutritt ist die Wiegand-Schnittstelle HmIP-FWI: Sie verbindet Zutrittsleser, die das verbreitete Wiegand-Protokoll sprechen – etwa Keypads oder Kartenleser – mit dem Homematic IP System. Was du danach mit den Eingangssignalen schaltest, ist Sache der Aktoren: Welcher dafür passt, klärt unser Schaltaktor-Vergleich.

Der HmIP-HAP2 ist die zweite Generation des Access Points und löst den ursprünglichen HmIP-HAP ab. Wichtigster Unterschied: Der HAP2 verbindet sich wahlweise per LAN-Kabel oder WLAN mit dem Heimnetz, die erste Generation brauchte zwingend ein Netzwerkkabel. Bestehende HAP-Installationen laufen weiter – für Neueinsteiger ist der Access Point 2 (56,66 €) die richtige Wahl.
Der offizielle Nachfolger der abgekündigten CCU3 ist die Home Control Unit HCU1. Sie vereint die lokale Steuerung der CCU-Schiene mit der App-Bedienung des Access Points und unterstützt Homematic IP Funk und Wired. Wichtige Einschränkung: Geräte des alten Homematic-classic-Systems („HM-“-Bezeichnungen) unterstützt die HCU1 nicht mehr – wer solche Geräte besitzt, betreibt die CCU3 weiter oder ersetzt die Altgeräte schrittweise.
Nein. Der Access Point ist die Basisstation des Systems, keine Reichweitenverlängerung – ein zweiter HAP verlängert die Funkstrecke nicht. Bei Reichweitenproblemen hilft zuerst die bessere Platzierung der Zentrale (der HAP2 ist dank WLAN-Anbindung frei positionierbar), dann die Prüfung des Montageorts der Problemgeräte. Systemseitig bringt die HCU1 mit dem erweiterten Routing eine Lösung mit, bei der dauerversorgte Geräte Funkbefehle weiterreichen.
Beim Access Point läuft die Bedienung über die Homematic IP Cloud, die App ist aber kostenlos und es fallen keine Abogebühren an. Direktverknüpfungen zwischen Geräten funktionieren auch ohne Internetverbindung weiter. Wer grundsätzlich lokal steuern will, greift zur HCU1 – dort laufen Automatisierungen auf dem Gerät selbst.
Der HmIP-RFUSB ist ein USB-Funkstick, mit dem alternative Steuerplattformen das Homematic IP Funkprotokoll nutzen können – die Variante mit dem Zusatz „TK“ stammt aus dem Telekom-Smart-Home-Umfeld. Für ein klassisches Homematic IP Zuhause brauchst du ihn nicht: Dort übernimmt der Access Point oder die HCU1 die Funkanbindung.
Für das kabelgebundene Wired-System ist der Wired Access Point HmIPW-DRAP (149,58 €) die Zentrale: ein Hutschienengerät im Verteiler, das den Bus mit App und System verbindet. Da es sich um Festinstallation handelt, gehören Planung und Einbau in die Hand einer Elektrofachkraft. Auch die HCU1 unterstützt das Wired-System. Details zur Auslegung findest du in der Wired-Planungshilfe.
Die Zentralen-Frage ist bei Homematic IP angenehm klar sortiert: Für den Einstieg ins Funk-System nimmst du den Access Point 2 (56,66 €) – günstig, steckerfertig, per WLAN flexibel platzierbar und ohne laufende Kosten. Wer lokale Automatisierung ohne Cloud-Bindung will oder von der abgekündigten CCU3 kommt, plant den Umstieg auf die Home Control Unit HCU1 – und prüft vorher, ob noch classic-Geräte im Bestand sind. Bei Neubau und Sanierung führt der Weg über den Wired Access Point HmIPW-DRAP (149,58 €) und die Elektrofachkraft. Und das Repeater-Problem löst du in den meisten Fällen mit kluger Platzierung statt mit neuer Hardware. Steht die Zentrale, geht es an die Geräte: Unser Schaltaktor-Vergleich und der Systemvergleich Wired vs. Funk helfen bei den nächsten Schritten.
Noch mehr Fachwissen, Kaufhilfen und Praxis-Tipps aus der Elektro-Welt:
