Ratgeber · Smart Home
Du hast dich für Homematic IP Wired entschieden – jetzt geht es um die konkrete Planung: Welche HmIPW-Geräte brauchst du, wie wird der Bus verkabelt, was gehört in den Schaltschrank und wie dimensionierst du DRAP, Aktoren und Eingänge? Hier bekommst du den kompletten Überblick über das Wired-Sortiment – vom Access Point HmIPW-DRAP über DRS8, DRBL4 und DRI32 bis zu den Sensoren im Raum – plus eine Beispielrechnung fürs Einfamilienhaus. Falls du noch zwischen Funk und Bus schwankst: Die Grundsatzentscheidung klärt unser Ratgeber Homematic IP Wired vs. Funk.

Das Wired-Sortiment gliedert sich in drei Gruppen: die Kopfstation (DRAP), die Hutschienen-Geräte für den Verteiler (erkennbar am „DR“ im Namen) und die Busgeräte im Raum – Sensoren, Melder und Unterputz-Module. Alle Geräte hängen an derselben Busleitung und kommunizieren drahtgebunden, ohne Funk und ohne Batterien.
| Modell | Aufgabe | Kanäle | Montage | Preis |
|---|---|---|---|---|
| HmIPW-DRAP | Access Point / Kopfstation, versorgt den Bus | – | Hutschiene | 149,58 € |
| HmIPW-DRS8 | Schaltaktor | 8× Schalten | Hutschiene | 177,99 € |
| HmIPW-DRS4 | Schaltaktor | 4× Schalten | Hutschiene | 130,51 € |
| HmIPW-DRBL4 | Jalousie-/Rollladenaktor | 4× Behang | Hutschiene | 166,12 € |
| HmIPW-DRD3 | Dimmaktor | 3× Dimmen | Hutschiene | 261,09 € |
| HmIPW-DRI32 | Eingangsmodul für konventionelle Taster | 32 Eingänge | Hutschiene | 201,73 € |
| HmIPW-DRI16 | Eingangsmodul für konventionelle Taster | 16 Eingänge | Hutschiene | 142,38 € |
| HmIPW-FIO6 | IO-Modul, dezentral | 6 Ein-/Ausgänge | Unterputz | 118,64 € |
| HmIPW-SMI55 | Bewegungsmelder + Wandtaster | Bewegung, Taster | 55er-Rahmen | 88,96 € |
| HmIPW-SPI | Präsenzmelder innen | Präsenz | Raum | 88,96 € |
| HmIPW-STHD | Temperatur-/Luftfeuchtesensor mit Display | Temp. + rF | Wand, innen | 71,16 € |
| HmIPW-STH | Temperatur-/Luftfeuchtesensor | Temp. + rF | Wand, innen | 59,29 € |
Ein Homematic IP Wired System ist sternförmig um den Verteiler organisiert: Im Schaltschrank sitzen der DRAP als Kopfstation und die Aktoren, von dort läuft die Busleitung zu den Geräten in den Räumen – Tastern, Bewegungsmeldern, Temperatursensoren. Der DRAP übernimmt dabei zwei Aufgaben gleichzeitig: Er ist das Gateway zwischen Bus und Netzwerk, und er speist die Versorgungsspannung in den Bus ein, aus der sich die Busgeräte bedienen. Deshalb brauchen Wired-Sensoren keine Batterien – einer der großen Vorteile gegenüber der Funk-Welt.
Bei der Zentrale hast du die Wahl: Der DRAP kann selbst als Access Point arbeiten, dann steuerst du das System über die Homematic IP App. Alternativ hängst du den Bus an eine lokale Zentrale wie die CCU3 – das ist der Weg für alle, die komplexere Logiken und volle lokale Kontrolle wollen. Für die Geräteplanung macht das keinen Unterschied: Aktoren, Eingangsmodule und Sensoren bleiben dieselben.
Wichtig für die Dimensionierung: Wie viele Geräte an einem DRAP laufen, hängt vom Strombedarf der einzelnen Busteilnehmer ab – jedes Gerät zieht seine Versorgung aus dem Bus. Bei einem typischen Einfamilienhaus reicht ein DRAP in aller Regel aus; bei sehr großen Installationen rechnet die Elektrofachkraft den Leistungsbedarf anhand der Systemdokumentation nach und plant gegebenenfalls zusätzliche Versorgung ein.
Die häufigste Frage in der Wired-Planung ist die nach dem Kabel. Die gute Nachricht: Du brauchst nichts Exotisches. Bewährt hat sich geschirmte Fernmeldeleitung J-Y(St)Y 2x2x0,8, wie sie auch in der Gebäudeautomation seit Jahrzehnten Standard ist. Die verbindlichen Vorgaben zu Leitungstyp und maximalen Längen stehen in der Systemdokumentation von Homematic IP – dein Elektriker plant die Verlegung danach.
Bei der Topologie ist das System tolerant: Du kannst die Busleitung als Linie von Raum zu Raum ziehen, sternförmig vom Verteiler in jeden Raum oder als Mischform (Baum). Das macht die Planung deutlich entspannter als bei Systemen mit starrer Linienführung. Einzige harte Regel: Der Bus darf keinen geschlossenen Ring bilden.
Der wichtigste Planungstipp betrifft aber nicht das Kabel, sondern die Standorte: Lege fest, wo Taster, Bewegungsmelder und Raumsensoren sitzen sollen – und führe die Busleitung großzügig auch an Stellen, die du dir nur offenhalten willst. Eine ungenutzte Dose mit Busleitung kostet fast nichts; eine fehlende Leitung nach dem Verputzen kostet richtig Geld. Für dezentrale Sonderfälle – etwa einen vorhandenen Taster, der weit vom Verteiler entfernt sitzt – gibt es das Unterputz-IO-Modul HmIPW-FIO6 (118,64 €), das direkt in der Schalterdose sitzt.
Die Aktorik ist bei Wired zentral im Verteiler organisiert: Statt vieler einzelner Unterputz-Aktoren in den Dosen bündelst du die Schaltkanäle auf wenigen Hutschienen-Geräten. Das macht die Anlage übersichtlich, wartungsfreundlich – und pro Kanal deutlich günstiger. Rechne zuerst deine Verbraucher zusammen: Wie viele Lichtkreise sollen schaltbar sein, wie viele Steckdosenkreise, wie viele Rollläden, wo willst du dimmen?
Für Schaltkreise ist der DRS8 die erste Wahl, sobald du mehr als vier Kanäle brauchst – der Kanalpreis ist spürbar niedriger als beim DRS4. Der DRS4 ist die richtige Ergänzung für den Rest oder für kleine Unterverteilungen. Für die Beschattung gilt dieselbe Logik: Ein DRBL4 steuert vier Rollladen- oder Jalousiemotoren – bei acht Behängen planst du also zwei Geräte ein. Grundlagen zur Rollladensteuerung mit Homematic IP findest du im Rollladenaktor-Ratgeber.
Gedimmt wird über den DRD3 mit drei unabhängigen Dimmkanälen. Plane Dimmkanäle bewusst: Nicht jeder Raum braucht einen, aber Wohnzimmer, Esszimmer und Schlafzimmer profitieren spürbar. Achte bei der Leuchtmittelwahl auf Dimmbarkeit – welche Lasten der Aktor im Detail unterstützt, steht auf der Produktseite und im Handbuch.
Vergiss beim Schaltschrank-Aufbau den Platz nicht: DRAP, Aktoren, Eingangsmodule und das 24-V-Netzteil belegen zusammen schnell eine bis zwei zusätzliche Hutschienen-Reihen, dazu kommen Reihenklemmen für die vielen einzeln geführten Lampen- und Motorleitungen. Bei Neubau oder Sanierung lohnt es sich, den Verteiler gleich eine Nummer größer zu wählen – das gibt Reserve für spätere Erweiterungen.
Hier spielt Wired seine elegante Seite aus: Du musst an der Wand keine Smart-Home-Optik zeigen. Bei der Planung mit Eingangsmodulen werden die Taster deines normalen Schalterprogramms sternförmig zum Verteiler verdrahtet und dort auf den DRI32 oder DRI16 aufgelegt. Jeder Tastendruck wird zum Bus-Ereignis, das beliebige Aktionen auslösen kann – Licht, Rollladen, Szenen. Zähl dafür deine Tasterpunkte im Haus zusammen: Ein Einfamilienhaus kommt mit Serien- und Wechselschaltungsstellen schnell auf 20 bis 30 Eingänge, dann ist der DRI32 die wirtschaftlichere Wahl.
Wo die Sternverdrahtung nicht hinkommt – etwa bei einer Nachrüstung einzelner Punkte – setzt du das FIO6 ein: Es sitzt direkt in der Dose am Bus und stellt dort sechs Kanäle bereit, die sich als Ein- oder Ausgänge nutzen lassen.
Wer lieber echte Wired-Bedienelemente an der Wand will, findet im Homematic IP Wired Programm auch Wandtaster wie den 2-fach-Taster HmIPW-WRC2, den HmIPW-BRC2 mit Wippen gängiger Markenschalter-Programme und das Glasdisplay HmIPW-WGD. Einen Überblick über die Bedienphilosophien im Homematic-IP-System gibt unser Ratgeber zu Wandtastern und Fernbedienungen.
Sensorik ist der Bereich, in dem sich die Busleitung im Alltag am meisten auszahlt: Bewegungs- und Präsenzmelder sowie Raumklimasensoren sind dauerhaft versorgt, melden zuverlässig und brauchen nie einen Batteriewechsel. Der SMI55 ist dabei ein Planungs-Liebling: Er kombiniert Bewegungsmelder und Wandtaster in einem Gerät im 55er-Format – ein Standort, eine Dose, zwei Funktionen. Typische Plätze sind Flur, Treppenhaus und Bad.
Für Arbeitszimmer oder Wohnbereiche, in denen Menschen länger ruhig sitzen, ist der Präsenzmelder SPI die bessere Wahl als ein einfacher Bewegungsmelder. Beim Raumklima gilt die einfache Faustregel: STHD mit Display in die Räume, in denen du Temperatur und Luftfeuchte sehen willst, STH ohne Display in alle anderen. Für die Fußbodenheizung existiert im Wired-Programm zudem ein eigener Controller (HmIPW-FALMOT) – er verarbeitet die Messwerte der Raumsensoren zur Regelung der Heizkreise.
So könnte die Wired-Grundausstattung für ein Einfamilienhaus mit rund 140 m², 14 schaltbaren Kreisen, 3 Dimmkreisen, 8 Rollläden und rund 25 Tastern aussehen – als Diskussionsgrundlage für das Planungsgespräch mit deinem Elektriker:
| Position | Gerät | Stück | Preis |
|---|---|---|---|
| Kopfstation | HmIPW-DRAP | 1 | 149,58 € |
| Schalten (14 Kreise + Reserve) | HmIPW-DRS8 | 2 | 355,98 € |
| Dimmen (3 Kreise) | HmIPW-DRD3 | 1 | 261,09 € |
| 8 Rollläden | HmIPW-DRBL4 | 2 | 332,24 € |
| 25 Taster einbinden | HmIPW-DRI32 | 1 | 201,73 € |
| Raumklima Wohnzimmer | HmIPW-STHD | 1 | 71,16 € |
| Raumklima Schlaf-/Kinderzimmer | HmIPW-STH | 2 | 118,58 € |
| Flur: Bewegung + Taster | HmIPW-SMI55 | 1 | 88,96 € |
| Büro: Präsenz | HmIPW-SPI | 1 | 88,96 € |
| Summe Geräte | 1.668,28 € | ||
Nicht enthalten sind das 24-V-Netzteil für den DRAP, die Busleitung, Reihenklemmen, gegebenenfalls eine Zentrale (z. B. CCU3) sowie die Installationsleistung deines Elektrikers. Die Rechnung zeigt aber die Größenordnung: Für deutlich unter 2.000 € Gerätekosten bekommst du eine komplette busbasierte Grundinstallation für Licht, Beschattung, Taster und Raumklima – zentral gewartet, batterielos und erweiterbar.

Bewährt hat sich klassische geschirmte Fernmeldeleitung vom Typ J-Y(St)Y 2x2x0,8, wie sie in der Gebäudeautomation seit Jahrzehnten Standard ist: ein Adernpaar für die Buskommunikation, eines für die Versorgung. Die verbindlichen Vorgaben zu Leitungstyp und maximalen Längen stehen in der Homematic IP Systemdokumentation – danach plant deine Elektrofachkraft die Verlegung.
Beides ist möglich: Homematic IP Wired erlaubt Linien-, Stern- und Baumstrukturen, auch gemischt. Nur ein geschlossener Ring ist nicht zulässig. In der Praxis wird oft sternförmig vom Verteiler in die Räume geplant, weil das spätere Änderungen erleichtert. Wichtig ist vor allem, großzügig Standorte mit Busleitung vorzusehen – nachträglich Leitungen ziehen ist teuer.
Der DRAP versorgt die Busteilnehmer mit Spannung aus seinem 24-V-Netzteil – die mögliche Gerätezahl hängt deshalb vom Strombedarf der angeschlossenen Geräte ab, nicht von einer festen Stückzahl. Für ein typisches Einfamilienhaus reicht ein DRAP in aller Regel aus. Bei größeren Installationen rechnet die Elektrofachkraft den Leistungsbedarf anhand der Systemdokumentation nach.
Der DRAP kann selbst als Access Point arbeiten – dann steuerst du das System über die Homematic IP App. Wer volle lokale Kontrolle und komplexere Automatisierungen will, betreibt den Wired-Bus stattdessen an einer Zentrale wie der CCU3. Für die Auswahl der Aktoren, Eingangsmodule und Sensoren spielt diese Entscheidung keine Rolle – du kannst sie auch später noch ändern.
Ja – Wired und Funk gehören zur selben Homematic-IP-Welt und lassen sich in einer Installation kombinieren. Typisches Muster: Die feste Infrastruktur (Licht, Rollläden, Taster) läuft über den Bus, nachträgliche Ergänzungen wie Fensterkontakte oder Heizkörperthermostate kommen per Funk dazu. Welche Welt wofür die richtige ist, beleuchtet unser Ratgeber Wired vs. Funk.
Ja: Der HmIPW-BRC2 ist ein 2-fach-Wandtaster, der sich mit Wippen gängiger Markenschalter-Programme kombinieren lässt – die Bedienstelle sieht dann aus wie der Rest deiner Schalterserie. Daneben gibt es den Wandtaster HmIPW-WRC2 und das Glasdisplay HmIPW-WGD. Alternativ bindest du über DRI16/DRI32 einfach ganz normale Taster deines Schalterprogramms ein. Mehr dazu im Ratgeber Bedienelemente, Wandtaster & Fernbedienungen.
Homematic IP Wired zu planen ist vor allem eine Zählübung: Schaltkreise, Dimmkreise, Behänge und Taster ergeben direkt die Aktoren und Eingangsmodule – der DRS8 fürs Schalten, der DRBL4 für die Beschattung, der DRI32 für die Taster, dazu der DRAP als Kopfstation und Sensoren nach Bedarf. Mit großzügigen Kanal- und Leitungsreserven geplant, bekommst du eine batterielose, zentral gewartete Installation, die sich über Jahrzehnte erweitern lässt. Die Ausführung gehört in die Hand deiner Elektrofachkraft – mit der Geräteliste aus diesem Ratgeber gehst du bestens vorbereitet ins Planungsgespräch. Noch mehr Kaufberatung rund um Elektro und Smart Home findest du in unserem Ratgeber-Bereich.
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